Heute befassen wir uns nicht nur mit einzelnen Dingen, sondern mit verschiedenen Darstellungen einer Situation. Das Clustering, das ihr in der 1. Lektion gelernt habt, bildet nicht nur hier, sondern in vielen weiteren Lektionen die Grundlage, da es eine Möglichkeit zur Sammlung der eigenen Assotiationen ist.
Die Ausgangssituation, die ihr beschreiben sollt, könnt ihr frei wählen. Voraussetzung ist eine Situation, in der mehrere (mindestens zwei) Personen mitspielen. Die erste Situation, die wir heute nacherzählen, sollte sich bereits abgespielt haben, eine Kernaussage haben und nicht zu lang sein. Beispiele: Gespräch der Eltern mit ihrer Tochter um eine Taschengelderhöhung, Diskussion dreier Freunde um die Abendgestaltung am Wochenende, Umtausch einer Ware im Geschäft etc.
Ziel dieser Übung ist zu erkunden, wie verschiedene Personen mit ein und derselben Situation umgehen. Hierbei müssen die individuellen Persönlichkeiten berücksichtigt werden.
Zuerst legt von jeder beteiligten Person ein Profil an. Bedient euch hierbei des Clusters. Es ist wichtig, sich in die Personen hineinzuversetzen, ihre Gefühlswelt (die oft ganz anders ist als die eigene) zu erkunden. Notiert alles, was euch einfällt. Nun erinnert euch genau an die Situation. Erstellt ein neues Cluster, in dessen Mitte ihr das Kernwort, z.B. Taschengelderhöhung, schreibt. Lasst euren Assotiationen freien Lauf. Achtet darauf, dass die Notizen nicht bewertend sind, es interessiert nur der reine Sachverhalt.
Im nächsten Schritt versucht nun die Situation mit Hilfe der Cluster aus Sicht der ersten Person zu schreiben. Beispiel: ihr beschreibt den Wunsch zur Taschengelderhöhung aus Sicht der Tochter. Was fühlt sie? Was will sie bewirken? Welche Spannungen mit anderen Personen fließen in das Gespräch?
Um die Übung zu vervollständigen, solltet ihr nun jede der beteiligten Personen zu Wort kommen lassen. Das Ergebnis ist eine Geschichte, die aus der Sicht verschiedener Personen geschrieben ist. Wenn ihr euch in die anderen Personen hineinversetzt, könnt ihr oft deren Handeln besser verstehen. Nach mehreren Übungssituationen könnt ihr versuchen, eine fiktive Situation zu erfinden.
Nun zur praktischen Anwendung: Beim Schreiben eines Buches ist die Erzählperspektive sehr wichtig. Ein Text kann durch die richtige Wahl der Erzählperspektive enorm an Dynamik gewinnen. Wechselnde Perspektiven bieten einen größeren Einblick. Es kommt immer darauf an, was man beim Schreiben seines Buches bezwecken will.
Ich hoffe, ihr übt wieder so fleißig wie letzte Woche. Auch dieses Mal besteht die Möglichkeit, mir die Texte an meine e-mail-Adresse birgit_salutzki@freenet.de zu senden. Ich schaue mir alles an und gebe, falls gewünscht, Kommentare ab. Von einer Veröffentlichung der mir eingesandten Texte sehe ich ab.
Die Schreibschule wird in den nächsten zwei Wochen ausfallen, da ich in den Urlaub fahre, danach geht es wie gewohnt weiter.